Pfade der Erinnerung Drucken E-Mail
Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 09:41 Uhr
Diktatur, Krieg, Zwangsarbeit und Völkermord prägten das Europa des 20. Jahrhunderts. Sie führten zu millionenfachem Tod, aber auch zu massenhafter Zwangsmigration, die in die Erinnerungskulturen europäischer Gesellschaften als Deportation, Flucht, Evakuierung, Umsiedlung, Auswanderung, Repatriierung, Vertreibung u. a. eingegangen sind.
 
Für Überlebende und Nachgeborene bleibt die Herausforderung, dass ihre Erinnerungen an diese Gewalterfahrungen auf Orte Bezug nehmen, die oft weitab vom ihrem heutigen Lebensmittelpunkt liegen. Die geographische Entfernung wird durch eine kulturelle Distanz verstärkt, die daraus resultiert, dass dort heute zumeist andere Menschen leben, deren Erinnerung zu ebenso entfernten Orten führt.

Spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kann man an diese Orte wieder zurückkehren, sie besuchen und sie erforschen. Die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, aber auch zwischen den Orten wird seither in Form von Reisen, Erzählungen, Symbolen und Ritualen hergestellt. Durch die so geprägten Pfade der Erinnerung werden Wege der Zwangsmigration vergegenwärtigt und die aus ihnen resultierende Distanz verringert.

Die Stiftung EVZ fördert im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa im Programmjahr 2010 internationale Teams, die gemeinsam einen oder mehrere Pfade der Erinnerung analysieren und heute eine besondere Relevanz aufweisen. Das bedeutet, dass ihr Projekt ein Verständigungs-, Annäherungs-, bzw. ein Konfliktpotenzial für die jeweiligen Gesellschaften hat.

Im Rahmen der Projektarbeit sind Feldforschungen z. B. zur Erschließung von Routen, Gedenkstätten, Museen und Denkmälern ebenso möglich wie die eingehende Analyse und Aufbereitung von mündlichen und schriftlichen Zeugnissen. Die Projekte der Geschichtswerkstatt Europa sollen dabei über eine empirische Studie hinaus eine Öffentlichkeit herstellen, in der ein Dialog über europäische Erinnerungskulturen entstehen kann.

Quelle und weitere Informationen Geschichtswerkstatt Europa

Die Geschichtswerkstatt Europa ist ein Programm der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ), das internationale Projekte zur Analyse europäischer Erinnerungskulturen fördert. Ziel ist ein Dialog junger Europäer über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten nationaler, regionaler und lokaler Erinnerungen an die kollektiven Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts.

Das Institut für angewandte Geschichte ist in Kooperation mit der Europa-Universität Viadrina für die Förderung von Projekten verantwortlich. Das Institut begleitet Projektideen beratend von der Skizzenentwicklung über die Antragstellung bis zur Abrechnung und organisiert im Frühjahr 2010 ein Treffen in Frankfurt an der Oder zur inhaltlichen sowie methodischen Vorbereitung und zur Vernetzung der Teilnehmer.

Förderung von Projekten
 
Die Geschichtswerkstatt Europa fördert internationale Projekte, in denen Studenten, Absolventen, Nachwuchswissenschaftler, Journalisten, Künstler sowie andere Akteure der Zivilgesellschaft im Alter von 18 bis 35 Jahren gemeinsam von April bis Oktober 2010 einem Pfad der Erinnerung nachgehen.

Die Projekte werden vom Antragsteller gemeinsam mit einem Partner aus einem anderen mittel- bzw. osteuropäischen Land oder Israel geplant und durchgeführt. Dabei soll durch Präsentationen und Diskussionen eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden. Als Ergebnis der Projekte wird ein Text-, Foto- oder Filmbeitrag zur gemeinsamen Internetplattform der Geschichtswerkstatt Europa erwartet.

Es gibt zwei alternative Formen der Finanzierung: Institutionen können für Projekte mit mehr als 4 Teilnehmern Zuwendungen für Reisen, Unterkunft, Sachmittel und Kommunikation bis maximal 15.000 Euro erhalten. Internationale Teams von 2 bis 4 Personen können ohne institutionelle Anbindung Projektstipendien in Höhe von 2.500 Euro pro Person erhalten, die für die Realisierung des gesamten Projekts vorgesehen sind.


Skizzen
 
Jedes Projektteam soll vor Antragstellung in einer Skizze folgende Fragen beantworten:
 
1. In welchem internationalen Team wird das Projekt umgesetzt?
2. Wie lautet die zentrale Frage, anhand derer Pfade der Erinnerung untersucht werden?
3. Welche Schritte sind für die Bearbeitung dieser Fragestellung vorgesehen?
4. Welche Methode soll dabei verwendet werden?
5. Wie wird die Kommunikation zwischen den Projektpartnern gestaltet?
6. In welcher Form werden Projektergebnisse aufbereitet und einer breiteren Öffentlichkeit
präsentiert?
7. Welche Ausgaben sind notwendig, um das Projekt zu realisieren?
 
Die Projektskizze kann vom 1. September bis zum 26. Oktober 2009 über das Online-Formular der Geschichtswerkstatt Europa eingesandt werden. Im November 2009 entscheidet eine Fachjury, welche Projekte aufgefordert werden, einen Antrag zu stellen.

 
Der Lokale Aktionsplan Frankfurt (Oder) wird aus Mitteln des Bundesprogramms "TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN" gefördert.
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